Wandlitz

35 km von Berlin

Wandlitz Map

Der Ort am gleichnamigen See wurde erstmals im Jahre 1242 im Zusammenhang mit dem Verkauf durch die Markgrafen Johann I. (*um 1213, † nach dem 03.06.1266) und Otto III. - der Fromme - (*1215, †09.10.1267 in Brandenburg an der Havel) an das Kloster Lehnin urkundlich erwähnt. Im Mittelalter war Wandlitz im Besitz der Zisterzienser des Klosters Lehnin. Der Ort entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem bevorzugten Ausflugsziel. Das noch sehr dörfliche Zentrum findet man in Wandlitz-Ützdorf, in dessen Mitte sich die Dorfkirche Wandlitz befindet.

Dorfkirche Wandlitz

Anfangs gab es hier einen schlichten Bau im spätromanischen Stil, dieser wurde im Laufe der Zeit durch frühgotische Elemente verändert. Die Fundamente stammen aus dem 13. Jahrhundert, aus der Zeit, in der auch das Dorf entstanden ist. Als klassische Feldsteinkirche ist sie typisch für die Zeit der deutschen Ostsiedlung. Im 18. Jahrhundert wurde die Kirche erweitert und in ein typisches frühbarockes Gotteshaus umgebaut. Ein besonderes Merkmal ist der quadratische Westturm. Er ist etwas schmaler als das Kirchenschiff und trägt eine geschwungene Haube mit einer Laterne, die ihm ein markantes Profil verleiht. Auffallend ist die Mischung aus den unterschiedlichen Epochen. Im Innern ist die Skulptur "Lehrender Christus" aus dem Jahr 1931 von dem Bildhauer und Schriftsteller Ernst Barlach (*02.01.1870 in Wedel, †24.10.1938 in Rostock).


In den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs brannte die Kirche bis auf die Grundmauern nieder. Dabei ging die gesamte historische Innenausstattung, inklusive der Orgel und des Altars, verloren. Heute ist das Innere schlicht und modern gehalten,

Dorfkirche Wandlitz Brandenburg
Grabstein Louis Barth Wandlitz

Der Kirchhof wurde bis Mitte des 19. Jahrhunderts als Friedhof genutzt. Er ist von einer Feldsteinmauer umgeben, die teilweise noch aus der Gründungszeit stammt und den sakralen Bereich vom weltlichen Dorfplatz abgrenzt. Seit 1913 wird hier nicht mehr bestattet.


Hier findet man noch das Grab von Louis Barth (+16.01.1851, †31.01.1907), der damalige Eigentümer des Wandlitzsees. Der See war 1831 von der königlichen Regierung privatisiert worden. Auf seinem Grabstein wird er stolz als „Besitzer des Wandlitzsees und Fischermeister“ bezeichnet. Die Familie Barth prägte über lange Zeit die Fischerei und den Tourismus am See. Sie blieb bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Besitz des Sees, bevor sie im Zuge der Bodenreform und der sowjetischen Besatzung enteignet wurde.


Ein zentrales Element im Kirchgarten ist das Kriegerdenkmal von 1922. Es wurde von dem Bildhauer Hermann Hosaeus (einem Meisterschüler von Reinhold Begas) geschaffen. Das Relief trägt den Titel „Nach dem Kampf“ und erinnert mit Gedenktafeln an die im Ersten und Zweiten Weltkrieg gefallenen Bewohner von Wandlitz.

Waldsiedlung Wandlitz

Knapp 3 Kilometer südöstlich von Wandlitz und 5 Kilometer südwestlich Göbbels Landhaus ist die Waldsiedlung in Bernau bei Berlin, häufig auch als Waldsiedlung Wandlitz bezeichnet. Hier war ab 1958 die Siedlung für die Mitglieder und Kandidaten des Politbüros des Zentralkommitees der SED. Hinter einer zwei Meter hohen und etwa fünf Kilometer langen grün angestrichenen Beton-Sicherungsmauer lebten die Genossen abgeschirmt und abgesichert von der eigenen Bevölkerung.

Waldsiedlung Wandlitz Plan

Neben Honecker und Mielke, dem Minister für Staatssicherheit lebten hier Günter Schabowski, Willi Stoph, Egon Krenz auch Walter Ulbricht. Auf dem Gelände befindet sich heute der Komplex der Brandenburg-Klinik.

Waldsiedlung Wandlitz Honecker Haus

Erich und Margot Honecker blieben ab Dezember 1989 dort unter Hausarrest. Am 5. Dezember 1989 wurde gegen ihn (und andere) ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nur ein paar Schritte entfernt wohnte Walter Ulbricht (*30.06.1893 in Leipzig, †01.08.1973 in Groß Dölln) und Frau, mit allen Annehmlichkeiten, die in der DDR nur den "sozialistischen" Bonzen möglich war. 

Waldsiedlung Wandlitz Haus Ulbricht