
Gumbinnen - Gussew
Gumbinnen, auf russisch Gussew befindet sich in der russischen Oblast Kaliningrad (Suwalki Korridor, Suwalki Gap) und hat etwa 29.000 Einwohner. Die Stadt liegt etwa 30 Kilometer nördlich von Goldap. Sie liegt im historischen Ostpreußen, nicht aber in Masuren. Bereits 1580 wurde der Ort Gumbinnen erstmals urkundlich erwähnt, und erhielt am 24. Mai 1724 das Stadtrecht durch König Friedrich Wilhelm I..
1812 zog Napoleon mit seinen Truppen durch die Stadt, ein Jahr später von der französischen Besatzung durch Russland befreit.
Der Name bezieht sich auf Sumpf und Bruchwald und beschreibt die Lage am Rande der Großen Wildnis. Der preußische Kreis Gumbinnen bestand in der Zeit zwischen 1818 und 1945. Bis 1945 war hier der östlichste Regierungsbezirk des Deutschen Reiches. 1946 wurde Gumbinnen zum Gedenken an den sowjetischen Hauptmann Sergej Iwanowitsch Gussew - Сергей Иванович Гусев - (1918–1945) in Gussew umbenannt und der russischen Teilrepublik der Sowjetunion zugeordnet. Die russischen Truppen hatten Gumbinnen am 21.01.1945 erobert.
Nach schweren Bevölkerungsverlusten des des an und für sich schon armen und ausgesogenen Grenzlandes durch die Pest 1709 - 1710 kamen die ersten Neusiedler um 1710 aus der Schweiz, 1712 weiterer Zuzug vor allem aus Nassau und Mitteldeutschland, insbesondere aus Magdeburg. Schöpfer des klar und großzügig entworfenen Stadtplans, dem Gumbinnen seinen noch lange als spezifisch preußisch wirkenden Charakter verdankt, war der bedeutende Königsberger Architekt Joachim Ludwig Schultheiß von Unfriedt.
Altstädtische Pfarrkirche
Der Neubau der lutherischen Pfarrkirche entstand 1710 unter Friedrich Wilhelm I. Von 1810 bis 1811 in klassizistischer Form erhöht und mit einer zweiten Empore und Vorhallen an den Längsseiten ausgestattet. Der Turm entstand um 1875. Die Kirche wurde im Oktober 1944 während eines sowjetischen Luftangriffs zerstört und danach vollständig beseitigt. 2012 wurde an gleicher Stelle mit dem Neubau einer russisch-orthodoxen Kirche begonnen, sie wurde 2016 wurde als Allerheiligenkirche von Patriarch Kyrill eingeweiht
Salzburger Kirche
Sie ist das einzige historische evangelische Kirchengebäude der Stadt (Zal'tsburgskaya Kirkha), das die Zeit der Sowjetunion überdauert hat und heute wieder als Gotteshaus genutzt wird. Heute das Zentrum der kleinen evangelisch-lutherischen Gemeinde in der Region, die vor allem aus Russlanddeutschen besteht.
Im Jahr 1732 nahm Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. rund 16.000 evangelische Glaubensflüchtlinge aus dem Erzstift Salzburg auf, die wegen ihres Glaubens ihre Heimat verlassen mussten. Viele siedelten sich im Raum Gumbinnen an. Die erste kleine Kirche der Salzburger von 1752 wurde baufällig. Der heutige Bau wurde 1839–1840 nach Entwürfen des berühmten preußischen Baumeisters Karl Friedrich Schinkel (oder zumindest nach dessen Vorbildern, einer sogenannten „Schinkel-Normalkirche“) errichtet. Den Zweiten Weltkrieg überstand die Kirche fast unbeschadet, doch unter sowjetischer Verwaltung wurde sie zweckentfremdet. Der Turm wurde teilweise abgetragen, die Fenster zugemauert, und das Gebäude diente jahrzehntelang als Lagerhalle für die Straßenbauverwaltung (unter anderem für Streusalz und Bitumen), was der Bausubstanz stark zusetzte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde die Kirche mit massiver Unterstützung der Salzburger Anstalt Gumbinnen aus Bielefeld restauriert. Am 31. Oktober 1995 (Reformationstag) wurde sie feierlich eingeweiht. Die Kirche ist eine klassische Saalkirche mit Rundbogenfenstern. Das Äußere erstrahlt heute wieder in einem hellen Gelbton, der typisch für Schinkel-Bauten ist. Und an der Kirche wird an das Schicksal der Salzburger Exulanten erinnert. Es gibt Informationstafeln zur Einwanderungsgeschichte, die Gumbinnen im 18. Jahrhundert wirtschaftlich und kulturell blühen ließ.
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